Begriffe, die heutzutage in aller Munde sind und dementsprechend Einzug im unternehmerischen Alltag gehalten haben. Doch was genau versteht man unter diesen Begriffen und vor allem wie grenzen sie sich voneinander ab?
„Sustainable development meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.“ (Verband Entwicklungspolitik 1999, 5) So wird Nachhaltigkeit von der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung definiert. Dies bedeutet, dass Nachhaltigkeit einerseits die Sicherstellung der Grundbedürfnisse aller Menschen und zukünftigen Generationen zur Aufgabe hat, andererseits fordert sie die dauerhafte Existenzfähigkeit unserer Erde und deren Ökosysteme zu erhalten. Die ausgewogene Berücksichtigung wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Interessen ist dabei Voraussetzung. Diese sogenannte „Triple Bottom Line“ (Elkington 2004, 1) beschreibt die drei Komponenten Profit, People und Planet und ist Basis für eine nachhaltige Entwicklung, bzw. ist sie die Ausgangslage eines neuen ökonomischen Denkens. Sie soll den Mehrwert beziffern, den ein Unternehmen ökonomisch, ökologisch und sozial schafft. Moderne Unternehmen sind gefordert, ihr Zielsystem zu hinterfragen. Kann sich in einer Welt, in der die Ressourcen beschränkt sind, der Unternehmenserfolg lediglich nach dem finanziellen Gewinn bemessen? In einer Gesellschaft, in der ein Bewusstsein dafür entsteht, dass die Ressourcen der Natur nicht unbeschränkt vorhanden sind und dass Humankapital nicht ohne Grenzen ausgenutzt werden kann, beantwortet sich diese Frage von selbst. (Perspektive Blau 2008, 1) Nachhaltiges Handeln ist die Basis aller weiteren Überlegungen und Grundlage für die Umsetzung von Corporate Social Responsibilty. Der Unterschied zur CSR besteht darin, dass es sich bei der Idee der Nachhaltigkeit um einen Grundgedanken handelt. Es existieren keine konkreten Handlungsanleitungen. Stattdessen ist der Begriff durch einen hohen Abstraktionsgrad gekennzeichnet und lässt die weitere Ausgestaltung offen.
Corporate Social Responsibility umschreibt den freiwilligen Beitrag der Wirtschaft zu einer nachhaltigen Entwicklung, bei der bestehende gesetzliche Forderungen eingehalten werden und darüber hinausgehende Zielsetzungen verwirklicht werden. Sie ist die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung von Unternehmen und funktioniert nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit. So definierte die Europäische Kommission in ihrem Grünbuch den Begriff wie folgt: „ ...ein Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren.“ (Europäische Kommission 2002, 6). Dabei wird CSR nicht als Ersatz für Gesetze oder ähnliche Regelungen verstanden, sondern vielmehr ist es die freiwillige unternehmerische Selbstverpflichtung, verantwortlich zu handeln, und das entlang der alles umfassenden Wertschöpfungskette eines Unternehmens. Dementsprechend muss sich CSR durch die gesamte Unternehmenspolitik ziehen. Sie betrifft alle Aspekte der Unternehmensführung und muss in allen Bereichen umgesetzt werden. Sie muss im Kerngeschäft verankert sein, die eigene Unternehmenskultur und Managementpraxis muss entsprechend verändert werden. Es ist also weder eine soziale Dreingabe noch ein philantrophischer Akt der Menschenliebe. Das Kernziel jeder intelligenten und sinnvollen CSR Maßnahme liegt nicht in zweckfreien Wohltätigkeiten, die der Marke kurzfristige Presseerfolge bescheren. Vielmehr geht es darum, strategisches Wissen mit sozialen und ökologischen Bezügen zu verbinden, um im Kampf um Wettbewerbsvorteile in einem zunehmend kritischer werdenden Umfeld vorne mitzuspielen. Es ist der langfristig ökonomische Nutzen, den diese innere Selbstverpflichtung einem Unternehmen bringt. (Köhler/Haderlein 2007, 14). Die Europäische Kommission formuliert: „Die Erfahrung mit Investitionen in umweltverträgliche Technologien und Unternehmenspraktiken legt nahe, dass es der Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens zuträglich sein kann, wenn man über die bloße Gesetzeskonformität hinausgeht [... und] mehr investiert in Humankapital, in die Umwelt und in die Beziehungen zu anderen Stakeholdern.“ (Kommission der europäischen Gemeinschaften 2001, 7)
Ist CSR die freiwillige Selbstverpflichtung im Rahmen der eigentlichen Geschäftstätigkeit, so beschreibt Corporate Citizenship ebenso das gesellschaftliche Engagement eines Unternehmens, allerdings außerhalb dessen eigentlichen Tätigkeitsbereichs. Corporate Citizenship beschreibt im Grunde genommen all das, was im Sinne eines gemeinwohlorientierten Engagements über die Unternehmenstätigkeit an sich hinaus geht, wie beispielsweise Spenden, Sponsoring, Stiftungen o.ä. . Ein Unternehmen engagiert sich als „guter Bürger“ aktiv für die meist lokale Zivilgesellschaft oder für (nationale/internationale) ökologische, kulturelle oder soziale Belange. Es erkennt seine Rolle in der Gesellschaft und die damit zusammenhängende Verantwortung für das Gemeinwesen. Oft gehen Unternehmen hier Sozialkooperationen mit gemeinnützigen Organisationen ein, um gemeinsam an der Lösung gesellschaftlicher Probleme zu arbeiten. In diesen Prozess bringen Unternehmen nicht nur Geld, sondern weitere Ressourcen, wie beispielsweise Mitarbeiterengagement, fachliches Know-how, Organisationskompetenz und Informationen mit ein.
Festzuhalten bleibt, dass beide analytisch getrennten Begriffe das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen aus zwei unterschiedlichen, sich gleichwohl aber ergänzenden Perspektiven thematisieren. CSR aus der (betriebs-)wirtschaftlichen Binnenweltperspektive und Corporate Citizenship aus einer gesellschaftlichen Außenweltperspektive. (Backhaus/Braun 2007, 5)